Wir leben im visuellen Zeitalter – heißt es.
„Das Wort“, das – laut Bibel – am Anfang war, wird im Medien-Jahrhundert gefährlich oft zur kurzen aggressiven Pointe verknappt, weil das komplizierte Ganze eines Textes keine griffige Schlagzeile hergäbe.
Das Bewusstsein für Sprache zu schärfen, Worthülse von Wahrheit trennen zu lernen, statt Agitation und Polemik aufzusitzen, muss deshalb eine wichtige Aufgabe in jeder Demokratie sein. Im globalen Jahrtausend ist das vielleicht noch schwieriger geworden, als es das schon immer war. Sprache umfassend zu erlernen, das heißt, Grundlagen für Bildung zu schaffen, und Bildung zu schaffen bedeutet auch, bessere Aufstiegschancen zu ermöglichen.

Sprache differenziert zu erlernen,das beinhaltet auch, Gefühle klarer auszudrücken und sie so zu bändigen. Das, was viele Menschen verbindet, ist ein bestimmtes Lebensgefühl, und wer diesem Lebensgefühl Ausdruck verleiht, der kann mit Aufmerksamkeit rechnen. Wir wollen die Menschen über ihr Lebensgefühl ansprechen, und wir hoffen, dabei auch gerade Jugendliche zu erreichen: Alle, die sich selbst in einem Text wiedererkennen, werden die sprachlich gelungene Umsetzung ihres Themas anerkennen.
Was Bestand hat, werden spätere Generationen entscheiden. Was die Stimmung der vergangenen zwölf Monate am treffendsten widerspiegelt, entscheiden wir selbst. Zur Prämierung kommt alles in Betracht, was als Medium für seine Aussage die deutsche Sprache im Original benutzt und was darüber hinaus einen über das Tagesgeschäft hinausgehenden Anspruch erfüllt.

Unser Ziel versuchen wir zu erreichen, indem wir bereits Vorliegendes auszeichnen und Neues anregen. Das bedeutet:
1. die Vergabe eines Preises von 10.000,00 € für einen Text, der das Lebensgefühl des vergangenen Jahres in sprachlich überzeugender Form darstellt. Neben dem Geldpreis wird dem Preisträger als Stiftungs-Symbol eine „Rinke“ übergeben. Rinke ist ein alemannisches Wort für Gürtelschnalle.
2. die Vergabe eines Stipendiums, das es einem jährlich neu zu bestimmenden Schriftsteller ermöglicht, das Tagebuch des jeweils kommenden Jahres in künstlerischer Form zu erarbeiten. Dieses Projekt, die TAGEWERK-Reihe, wird eine Enzyklopädie der Zukunft bilden.